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Samstag, 17. Mai 2014

Hörtipp: Health Nuts - A History Of Nutritional Advice

Tower Health Foods
Foto von Thomas Hawk






Hier einige neue Erkenntnisse meinerseits zum Thema gesundes Essen im Wandel der Zeit:
  • Die obligatorischen Antifas, die mit der Antispe-Fahne an jeder Demo auftauchen, sind nicht die ersten, die Herrschaftskritik und Ernährung verbinden.
  • Die Idee, sich gesund zu ernähren, stammt aus dem Anspruch, sich moralisch richtig zu verhalten.
  • Erst im Verlauf der Zeit gewann der Aspekt der Selbstverbesserung aus eigennützigen Gründen (namentlich zur Leistungssteigerung für die Verwertung der eigenen Arbeitskraft) an Bedeutung.
  • Produkte, die nur gesund sind, setzen sich nie durch. Bei der Masse setzen sie sich erst durch, wenn sie so gut schmecken, dass sie nicht mehr besonders gesund sind (z.B. Cornflakes, veganes Fertigzeug).
  • Was man isst, ist schon seit langem eine politische Entscheidung. Teils eine persönliche (z.B. Vegetarismus, weil man Sklaverei ablehnt), teils fremde (z.B. Förderung von Weizen, um den einheimischen Mais zu verdrängen).
Aber hört selbst im Backstory Podcast "Health Nuts: A History Of Nutritional Advice".

Allen, die sich für Ernährung im historischen Kontext interessieren, sei auch der "A Taste Of The Past" Podcast wärmstens empfohlen. 

Freitag, 4. April 2014

Ist veganes Essen teuer? Hier gibt's gratis Veganersenf

Ich find's ja immer super, wenn sich jemand dafür entscheidet, irgendwas in seinem oder ihrem Leben künftig vegan(er) zu gestalten. Da scheinen mir die Gründe dafür erst einmal sekundär.

Nun habe ich aber schon vernommen, wie sich frischgebackene Challengeveganer darüber aufgeregt haben, dass das vegane Zeug immer so teuer sei und offenbar soll's auch schon gesundheitsbewusste Protoveganerinnen gegeben haben, die vor den hohen Bioladenpreisen von veganem Essen zurückgeschreckt sind.

vegan food haul
Vegan Food Haul von extra-minty
Ich hatte mir also überlegt, einen Post darüber zu schreiben, dass veganes Essen und veganes Leben überhaupt nicht teuer sein muss. Doch dann habe ich mich dran erinnert, dass ich ja selten die erste Person ever bin, der irgendwas auffällt, weshalb ich an dieser Stelle primär auf folgende lesenswerte Texte hinweisen möchte:

9 Tipps für Neuveganer_innen ohne viel Geld
Von Superfoods und mysteriösen Geldflüssen
Wieso Nichtkochen teuer ist

Sekundär natürlich doch noch mein Senf dazu: Vegane Ernährung ist so teuer, wie man sie sich macht. Das ist nicht anders als bei unveganer Ernährung:
  • Fancy Foods (a.k.a. Superfoods, Gourmetzeug) kosten mehr, weil sie als besonders edel/super/whatever gelten oder die Herstellung aufwändig ist.
    • Lösung: Sich weniger fancy ernähren und seine Fancyness aus anderen Quellen als der Ernährung schöpfen.
  • Biolebensmittel kosten mehr, weil die externen Kosten, die bei deren Herstellung anfallen, nicht nachfolgenden Generationen oder anderen Lebewesen belastet, sondern eben im Lebensmittelpreis integriert werden.
    • Lösung: Konventionell produzierte Lebensmittel kaufen und mit dem schlechten Gewissen leben oder sich dafür engagieren, dass bio konventionell wird.
  • Lebensmittel, die von Menschen produziert werden, die faire Löhne erhalten (was auch immer das heissen mag), kosten mehr, weil der Courant Normal halt unfaire Entlöhnung ist.
    • Lösung: s.o. bei Bio
  • Economics of Scale: Zeug, das mehr gekauft wird, kostet regelmässig weniger als wenn es weniger nachgefragt wird, weil die Fixkosten nicht proportional zur produzierten Stückzahl sind (sondern eben fix).
    • Lösung: alle Freund/-innen dazu ermutigen, veganes Fertigzeug zu kaufen, damit es billiger wird ;-)
rice & beans with grilled sweet potato
Reis, Bohnen und Gemüse - Foto von Miikka H

Und tertiär noch einige Linktipps für die Hochpreisinsel Europas:
  • FB-Gruppe zu allen möglichen veganen Produkten, die's in der Schweiz so gibt (z.B. in der Migros)
  • Food Sharing: Essenskörbe verschenken und geschenkt bekommen.
  • Für Früchte, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte zu erschwinglichen Preisen: Türkische Supermärkte (z.B. Alima)
  • Und wer immer mal wieder etwas Neues in der Küche braucht, kann sein Glück auch einmal in einem Asienladen versuchen (z.B. New Asia Market, Aggarwal)
Gibt es Nahrungsmittel/Gerichte, die ihr nicht so oft esst, weil sie euch zu teuer sind (vegane oder auch andere)?

Mittwoch, 19. Februar 2014

Soulfood

Das erste Stichwort, das mir zu "Soul Food" eingefallen ist, war "Cultural Appropriation". Ich weiss nicht, wie das Konezpt auf Deutsch heisst und ich kenne mich damit ehrlich gesagt auch nicht wirklich aus. Dass ich das Stichwort nicht mit einem bestimmten Gericht verbinde, liegt wohl auch daran, dass es sich bei "Soul Food" nicht um ein Konzept handelt, mit dem ich aufgewachsen wäre. Gleiches gilt auch für die deutsche Übersetzung "Seelenfutter" (oder "Seelenkost", wie Wikipedia meint).

Gebratene Kochbananen - Was für die eine fremd und exotisch klingt, wärmt des anderens Seele.

Vom Konzept her meint Seelenfutter wohl Nahrung, die einem warm ums Herz werden lässt, weil man positive Erinnerungen daran hat.

Nun ist das mit dem Essen, das man von früher kennt und mag halt so ne Sache. Vielen, die sich mit Ernährung auseinandergesetzt haben, wird es schwer fallen, die Gerichte mit der kindlichen Unbeschwertheit zu geniessen, mit der sie sie früher gegessen haben. Mir geht das jedenfalls so. Gedanken an verstopfte Arterien, Tierleid, Milchpropaganda und zweifelhafte Agrarpolitik  stören den Seelentrösteffekt doch ungemein.

Was also tun? 

Eine Möglichkeit ist es, die entsprechenden Gerichte anzupassen (kennt man als sich vegan ernährende Person). Nur schmeckt's halt jeweils nicht gleich. Nicht unbedingt schlechter, aber halt anders und wenn's anders schmeckt, funktioniert das mit den Erinnerungen halt nicht so.

Eine weitere Möglichkeit bietet die Abstraktion, welche aber ihrerseits aber das gleiche bewirkt. Brei an sich bietet der Seele halt etwas anderes als der Griesbrei von <Bezugsperson X>.

Schliesslich bleibt einem noch, neue positive Erinnerungen zu schaffen, die beim Hervorholen der Seele gut tun. Und das dauert halt seine Zeit. So weit bin ich noch nicht.

Wenn euch interessiert, was andere Leute so unter Soulfood verstehen, schaut doch bei Jessi rein.